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Broschüre: Hellersdorf Revisited

Seit heute steht auf unserer Seite die Broschüre „Hellersdorf Revisited“ – deren Online-Textform ihr in der Vorabveröffentlichung hier findet – als PDF zum Download bereit. Im November ist sie auch als Druckerzeugnis in den Berliner AJZs, Kneipen, Info- und Buchläden zu finden.

Download: Hellersdorf Revisited – Eine Analyse der rassistischen Mobilisierung in Berlin-Hellersdorf [PDF]

Falls ihr als Gruppen, Location oder Einzelpersonen die Broschüre bestellen wollt, nehmt mit uns Kontakt auf und schreibt uns Anzahl und Versandadresse; benutzt dabei optimalerweise die angebotene Verschlüsselungsmöglichkeit.

Editoral:

Als sich Dekonstruktion Ost im vergangenen Sommer in Reaktion auf die rassistische Mobilisierung im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gründete, standen wir vor einem riesigen Haufen Arbeit. Anders als in der Auseinandersetzung mit organisierten Nazistrukturen traten in der Verknüpfung zwischen antirassistischem und antifaschistischem Engagement viele Problemfelder auf, in die wir uns erst einarbeiten mussten; in den letzten 12 Monaten haben wir immer wieder unsere Grenzen und unseren Horizont verschoben. Wir haben versucht, Spannungsfelder für uns aufzulösen, uns mit theoretischen Grundlagen zu beschäftigen. Gleichzeitig war da der rassistische Volksmob, der tobte, und mit dem wir einen praktischen Umgang finden mussten, um ihn in seiner Massivität zurückzudrängen. Genoss_innen arbeiteten in langen Nachtschichten daran, die Drahtzieher_innen der rassistischen Mobilisierung zu entschlüsseln, wir versuchten dann, politische Gegenstrategien zu entwerfen, sie unseren Bündnispartner_innen zu präsentieren und mit ihnen zusammen umzusetzen. Wir setzen starke Zeichen und erlebten auch herbe Niederlagen. Als geflüchteter Mensch in Hellersdorf zu leben, heißt auch weiterhin, in ständiger Gefahr zu leben. Wir begreifen unser Wirken nur als Tropfen auf dem heißen Stein, der die deutsche und europäische Asyl- und Lagerpolitik als auch den Rechtsruck der Gesellschaft darstellt.

Diese Publikation soll einen Arbeitsstand des emanzipatorischen Aktivismus abbilden. Aus unserem Gruppenstandpunkt heraus versuchen wir, die Situation in einen größeren politischen Kontext einzuordnen, die relevanten Strukturen und Akteure genauer zu betrachten und unser eigenes Engagement kritisch zu betrachten. Sie bietet auch den Platz, auf Randerscheinungen und Bezirksspezifika einzugehen, die in einer verkürzten Gesamtdarstellung ansonsten unterzugehen droht. Wir würden uns freuen, wenn die interessierten Leser_innen ihre eigene politische Arbeit damit sinnvoll gestalten können und diese Publikation als Ausgangspunkt und Debattenbeitrag verstehen würden.

Antirassist_innen und Antifaschist_innen von Dekonstruktion Ost im Juni 2014

11. Oktober 2014: Auf nach Stralsund – Naziaufmarsch stoppen!

Nazis stoppen – damals und heute! Opfermythen zerschlagen!

Am 11. Oktober 2014 wollen in der Hansestadt Stralsund in einem „Gedenkmarsch“ dutzende Nazis aufmarschieren und ihre geschichtsrevisionistische Propaganda durch die Stadt tragen. Anlass ist für sie der 70. Jahrestag der Bombardierung von Stralsund am 6. Oktober 1944 durch die US-amerikanischen Befreier_innen. Die Täter-Opfer-Verkehrung hat gute Tradition in der deutschen Naziszene, und neben dem bekanntesten Mobilisierungsfaktor der Aufmärsche in Dresden finden sich auch in Mecklemburg-Vorpommern entsprechende Bezüge wie beim alljährlichen Naziaufmarsch in Demmin.

Gerade durch Demmin kennen inzwischen auch viele Berliner_innen die Verhältnisse im Nordosten, die geprägt sind von der Handreichung zwischen dem CDU-Innenministerium unter Lorenz Caffier, prügelnder Polizei und rechtsterroristischen Neonazis.

Und es sei nicht vergessen: Stralsund ist – damals wie heute – Täterstadt. Die offizielle Website der Stadt verklärt den Angriff der Allierten auf den Rückzugsraum, den Stralsund den Wehrmachtssoldaten bot, als „sinnlose Bombardierung“ – was erschreckend nahe an den der neonazistischen Umdeutung der „deutschen Opfer“ ist, mit der sie sich auf ihre revanchistische Linie einschwören und den deutschen Angriffskrieg relativieren und verherrlichen.

Kaum öffentliche Thematisierung findet auch das Wirken des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ in Stralsund, der in der Stadt am 07. November 2006 und 18. Januar 2007 Banken überfiel, um ihre rassistische Mordserie zu finanzieren und anderen Strukturen der Extremen Rechten finanziell beim Aufbau zu helfen. Die Unterstützer_innen-Struktur, die die Neonazis hier vor Ort haben mussten, ist kaum durchleuchtet und die staatlichen Behörden haben wenig Interesse, hier tätig zu werden. Verklären, vertuschen, relativieren – hier versteht man sich prächtig mit den Nazis.

In dieser Situation können wir die antifaschistischen Strukturen und Bündnisse nicht alleine lassen: kommt am 11.10 nach Stralsund und macht den Naziaufmarsch zum Desaster. Laut, energisch, kreativ und kraftvoll!

Mehr Infos: http://rassistenstoppen.blogsport.eu/
Aufruf des Stralsunder Bündnisses: http://rassistenstoppen.blogsport.eu/2014/10/03/kein-naziaufmarsch-in-stralsund/

Infoveranstaltung in Berlin-Friedrichshain:
Mittwoch, 8. Oktober 2014 – 20 Uhr – Schreina47
(Schreinerstr. 47, nahe U5 Samariterstraße)

Vorabveröffentlichung: Hellersdorf Revisited – eine Analyse der rassistischen Mobilisierung

Hier dokumentieren wir in digitaler Form eine Auswertung des antirassistischen und antifaschistischen Diskurses im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf der vergangenen 12 Monate. Dieser Text wird in Broschürenform in den kommenden Wochen erscheinen und dann auch als PDF-Download zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wollen wir an dieser Stelle auf die Antirassistische Aktionswoche aufmerksam machen, die vom 25. bis zum 30. August 2014 in Berlin-Hellersdorf stattfindet. Spread the word!

Als sich Dekonstruktion Ost im vergangenen Sommer in Reaktion auf die rassistische Mobilisierung im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gründete, standen wir vor einem riesigen Haufen Arbeit. Anders als in der Auseinandersetzung mit organisierten Nazistrukturen traten in der Verknüpfung zwischen antirassistischem und antifaschistischem Engagement viele Problemfelder auf, in die wir uns erst einarbeiten mussten; in den letzten 12 Monaten haben wir immer wieder unsere Grenzen und unseren Horizont verschoben. Wir haben versucht, Spannungsfelder für uns aufzulösen, uns mit theoretischen Grundlagen zu beschäftigen. Gleichzeitig war da der rassistische Volksmob, der tobte, und mit dem wir einen praktischen Umgang finden mussten, um ihn in seiner Massivität zurückzudrängen. Genoss_innen arbeiteten in langen Nachtschichten daran, die Drahtzieher_innen der rassistischen Mobilisierung zu entschlüsseln, wir versuchten dann, politische Gegenstrategien zu entwerfen, sie unseren Bündnispartner_innen zu präsentieren und mit ihnen zusammen umzusetzen. Wir setzen starke Zeichen und erlebten auch herbe Niederlagen. Als geflüchteter Mensch in Hellersdorf zu leben, heißt auch weiterhin, in ständiger Gefahr zu leben. Wir begreifen unser Wirken nur als Tropfen auf dem heißen Stein, der die deutsche und europäische Asyl- und Lagerpolitik als auch den Rechtsruck der Gesellschaft darstellt.

Diese Publikation soll einen Arbeitsstand des emanzipatorischen Aktivismus abbilden. Aus unserem Gruppenstandpunkt heraus versuchen wir, die Situation in einen größeren politischen Kontext einzuordnen, die relevanten Strukturen und Akteure genauer zu betrachten und unser eigenes Engagement kritisch zu betrachten. Sie bietet auch den Platz, auf Randerscheinungen und Bezirksspezifika einzugehen, die in einer verkürzten Gesamtdarstellung ansonsten unterzugehen droht. Wir würden uns freuen, wenn die interessierten Leser_innen ihre eigene politische Arbeit damit sinnvoll gestalten können und diese Publikation als Ausgangspunkt und Debattenbeitrag verstehen würden.

Antirassist_innen und Antifaschist_innen von Dekonstruktion Ost im Juni 2014
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Soliparty: Hot Club de Résistance – 28.02.14 in der Schreina47

Wann: Freitag, 28. Februar 2014
Wo: Schreina47 | Schreinerstr. 47, 10247 Berlin | nahe U Samariterstraße
Was: Swing, Jazz und tanzbare Beats

Veranstaltung20140228

Widerstand gegen Rassisten, Nazis und eine affirmative Gesellschaft.

Seit dem Sommer 2013 steht der Berliner Stadtteil Hellersdorf im bundesweiten Fokus. Über die Ankündigung der Einrichtung einer Unterkunft für Asylbewerber_innen bildet sich ein rassistischer Volksmob, durchsetzt und organisiert von jahrzehntelang aktiven Nazis. Mit massiver Gegenbewegung solidarischer Kräfte aus allen Spektren gegen die rassistische Hegemonie im Hellersdorfer Kiez flaut der Aktionismus des Mobs ab und differenziert sich zum Jahresende aus. Das Jahr 2013 hinterlässt uns aber eine erstarkte, gut organisierte und gewalttätige Naziszene in Hellersdorf, die weiterhin auf die rassistischen Reflexe ihrer Nachbar_innen vertrauen kann und gegen alles, was nicht ihrer nationalsozialistischen Ideologie entspricht, hetzt und angreift. Das neue Jahr bringt also viele Herausforderungen mit sich, dem neonazistischen und rassistischen Treiben im Bezirk Einhalt zu gebieten und nachhaltig emanzipatorische Strukturen aufzubauen.

Dekonstruktion Ost lädt zum solidarischen Tanz, um die antifaschistische & antirassistische Arbeit in Hellersdorf zu unterstützen. Wie in den Hinterzimmern der Etablissements der ’40er Jahre setzen wir euch, nachdem ihr am Eingang das Codewort „Nuages“ geraunt habt, Swing und Jazz, versetzt mit tanzbaren Beats, vor. Wer dazu in Abendkleidung auftaucht, wird mit einer kleinen Aufmerksamkeit begrüßt.

Wohlrabe oder doch eher Übelkrähe? Die Unterkunftsleitung und die Rassist_innen!

Am gestrigen Abend kam es zu einem Treffen zwischen André Kiebis, Leiter der rassistischen „Bürgerinitiative für ein lebenswertes Marzahn-Hellersdorf“, und der Leitung der Unterkunft für Asylbewerber_innen in der Carola-Neher-Straße, Martina Wohlrabe sowie POLIS, der bezirklichen Gegen-Rechts-Stelle. Laut der BMH fand dieses Treffen in der Unterkunft statt. Dieses Treffen ist der Höhepunkt einer Kampagne der Bürgerinitiative, einen Fuß in die Lokalpolitik zu bekommen und sich als Sprachrohr der Anwohner_innen darzustellen. Wohlrabe erteilte ihr nun den lang ersehnten Ritterschlag, wo sich bisher im Bezirk ein antirassistischer Konsens hielt, nicht auf die Gesprächsangebote zu reagieren und keine gemeinsame Sachen mit den Menschen zu machen, die für die Eskalation in Hellersdorf überhaupt erst verantwortlich sind. Die Berichte über die Tätigkeiten von Kiebis und Konsorten sind inzwischen zahlreich und ausführlich1. Kiebis versuchte auch in Jugendclubs Räumlichkeiten für seine Truppe zu bekommen, was bisher abgelehnt wurde. Auch angefragte Bundestagsabgeordnete lehnten Gespräche durchweg ab, da sie durch antirassistische Strukturen vorab informiert wurden.

Wohlrabe bricht den antirassistischen Konsens

Umso erschreckender ist es, dass gerade die Leitung der Unterkunft nun umgefallen ist. Ihre Aufgabe ist der Schutz der Geflüchteten und die Organisierung des Unterkunft-Lebens. Was auch immer sie meint, in ihren Kursen zu aktzeptierender Jugendarbeit gelernt zu haben: ihre neue Aufgabe kann es ihr nicht erlauben, mit Rassist_innen in Kontakt zu treten. Vielleicht sollten sie und ihre Arbeitgeber_innen überdenken, ob jemand, der die Nähe zu bekannten Nazis und Rassist_innen sucht, überhaupt dafür geeignet ist, ein friedliches Leben für Geflüchtete zu organisieren. Das ist nicht das erste Mal, das Martina Wohlrabe und die Betreiber_innen-Firma nicht im Sinne einer antirassistischen Ausrichtung arbeiten. Schon vor Bezug der Unterkunft gab es einen Buttersäureanschlag auf das Unterkunftsgelände. Weder die Leitung noch die Polizei äußerten sich Anfang August dazu öffentlich, obwohl es eine Hausdurchsuchungen bei dem Täter gab, der sich per Selbstanzeige gestellt hatte. Umso unverständlicher ist es, dass zu einem Treffen in der Unterkunft selbst geladen wurde, also Rassist_innen der Zutritt in das Wohnumfeld der Geflüchteten gewährt wurde. Gerade Kiebis wurde dabei gesehen, wie er im Vorfeld des Anschlags eines Abends über den Zaun der Unterkunft kletterte2. Wohlrabe handelt also nicht im Sinne der Geflüchteten, sondern nach einer privaten Agenda, die sich mit dem rassistischen Volksmob solidarisiert. Alltagsrassistische Äußerungen über die angenommenen Eigenschaften der „Volksgruppen“, die in der Unterkunft wohnen, runden das Bild nur ab. Wohlrabe? Nein, das ist eine Übelkrähe!

Das I in POLIS steht für Inkompetenz

Das wir von POLIS nichts erwarten konnten, ist schon über die letzten Jahre klar geworden. Insbesondere Thomas Bryant fällt durch sture Ignoranz sämtlicher rechten und rassistischen Strukturen im Bezirk auf, nur sein SPD-Parteibuch hievte und hält ihn im Amt. Das Arbeit gegen Rassismus und Nazis im Bezirk Bryant zu anstrengend ist und ihn in seinem Akademiker_innen-Himmel stört, ist die ernüchternde Erkenntnis dieses braunen Sommers. Der Bezirk sollte schnell und intensiv drüber nachdenken, ob POLIS und SPI fähig sind, ihren Aufgaben in Marzahn-Hellersdorf nachzukommen. Eine Neuauschreibung des Projekts erscheint angebracht.

Rassist_innen wollen Kinderfest organisieren – auch für die Unterkunft

Wie geht es jetzt weiter? Wie aus einem bezirklichen Amt zu erfahren ist, will Kiebis am 26. Oktober eine Veranstaltung mit den Kindern aus dem Kiez und der Unterkunft veranstalten. Er und seine Helfershelfer_innen hoffen dadurch, sich einerseits von den Vorwürfen des Rassismus lossagen zu können, andererseits sich weiterhin als Sprachrohr der Anwohner_innen etablieren zu können. Verschleiert soll dabei werden, dass ihre Ziele weiterhin von rassistischer Rethorik durchdrungen sind, die Zahlen der untergebrachten Geflüchteten nach Willen des Vereins für die „Sozialverträglichkeit“ reduziert werden sollen und in der Organisationsgruppe gegenüber solidarischen Aktivist_innen Vernichtungsphantasien herrschen. Gleichzeitig ist eine plausible Distanzierung von den bisher involvierten organisierten Nazistrukturen nicht erfolgt und ihr bisheriges Wirken nicht offen gelegt worden. Der Versuch der legalistischen Ausgestaltung der Bürgerinitiative kann also nur als vorgebliche Spaltung gewertet werden, während Kiebis, Fröhlich und die Berliner NPD / NW Berlin weiterhin zusammenarbeiten. Kritiker_innen dieser Umstände wird mit Anzeigen gedroht, dies bisher allerdings nicht gestellt wurden.

Zusammenarbeit einstellen. Sofort!

Solidarische Akteur_innen auf bezirklicher und Landesebene sollten auf Unterkunftsleitung und POLIS einzuwirken, damit diese die Zusammenarbeit mit den Rassist_innen beenden. Die Betreiber_innen-Firma sollte überlegen, ob Martina Wohlrabe die nötige Kompetenz hat, diese Stelle wahrzunehmen, oder ob eine Neubesetzung mit einer klaren antirassistischen Agenda hier in Frage kommt. Das LAGeSo muss intensiv prüfen, inwiefern es dort seinen rechtlichen Rahmen ausspielen kann, um eine weitere Zusammenarbeit mit organisierten Rassist_innen zu verhindern.

Keine Zusammenarbeit mit Nazis und Rassist_innen! BMH zerschlagen!

  1. Dekonstruktion Ost vom 15.8.13: Deconstruct Now! Abrissbirne für Hellersdorf.; A!H via Recherchekombinat Oprema vom 15.9.13: Dossier: Bürgerinitiative für ein lebenswertes Marzahn-Hellersdorf e.V.; Recherchekombinat Oprema in Antifaschistisches Infoblatt #100 vom 7. Oktober 2013: Eine deutsche Wutbürger­initiative und ihr Tanz mit den Neonazis (S. 36 f.) [zurück]
  2. Chronik MH: BMH-Aktivist späht Flüchtlingsunterkunft aus [zurück]